Stellungnahme VFF zum Antrag der CDU „Gesundes Mittagessen für Karlsruher Kinder und Jugendliche“
By Vegans For Future Karlsruhe
Wir begrüßen grundsätzlich den Antrag der CDU-Gemeinderatsfraktion den Speiseplan an Karlsruher Schulen und Jugendeinrichtungen zu verbessern. Um das volle Potential auszuschöpfen, sollte der Vorschlag jedoch weiter gedacht werden:
1. Weg von Ersatzprodukten? Warum nicht hin zu vollwertigen pflanzlichen Gerichten?
Wir verstehen die Entscheidung, hochverarbeitete Ersatzprodukte zu vermeiden. Allerdings kritisieren wir, dass der aktuelle Vorschlag weiterhin stark auf Fleisch setzt. Pflanzliche Alternativen wieder durch Fleisch zu ersetzen ist nicht förderlich, vielmehr sollte der Fokus auf vollwertigen pflanzlichen Gerichten liegen. Weiterhin wird von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlen, deutlich weniger Fleisch und tierische Produkte zu konsumieren.
Hochverarbeitet bedeutet nicht gleich schlecht, man sollte zwischen Ersatzprodukten und Convenience-Produkten unterscheiden. Es gibt große Unterschiede zwischen Produkten und die hohe Verarbeitung kann im Gegenteil für bessere Aufnahme im Verdauungstrakt sorgen. Zum Beispiel texturiertes Soja (TSP): es ist hoch verarbeitet, enthält aber nicht die genannten hohen Anteile an Fett, Salz und Zucker. Gleichzeitig enthält es durch die Verarbeitung deutlich mehr an Protein und weniger an Ballaststoffen als unverarbeitete Hülsenfrüchte.
Auch sind verarbeitete Produkte wie vegane Nuggets oder Vishstäbchen (pflanzliche Alternative zu Fischstäbchen) sehr beliebt bei Kindern und sollten ihnen nicht grundsätzlich vorenthalten werden.
2. Mehr Hülsenfrüchte
Den Vorschlag, den Anteil von Hülsenfrüchten zu erhöhen, halten wir für sehr sinnvoll. Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen und Erbsen sind hervorragende Eiweiß-, Ballaststoff- und Mikronährstoffquellen, fördern zudem die Verdauung und sättigen nachhaltig. Eine stärkere Einbindung dieser Lebensmittel in den Schulspeiseplan wäre ein konkreter Schritt hin zu einer ausgewogenen Ernährung. Hülsenfrüchte sind ein essentieller, nahrhafter Teil der gesunden Ernährung. Die für Kinder, Jugendliche und Erwachsene passende Menge kann Teil einer Hauptmahlzeit sein. Ausgebildete Köch:innen können altersgerecht entsprechende Gerichte zubereiten.
3. Nicht genug Protein, gute Bioverfügbarkeit
Nicht nur Fleisch hat eine hohe Bioverfügbarkeit, sondern auch pflanzliche Alternativen, wie z. B.: Sojaprodukte enthalten alle essentiellen Aminosäuren, sind sehr gut erforscht und gut für Eisen- und Proteinversorgung geeignet. Für andere Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen, Bohnen, Erbsen etc. kann durch die Kombination mit Getreide (z. B. Reis, Vollkornnudeln, Brot) der Proteingehalt erhöht werden. Auch kann die Aufnahme gesteigert werden durch Vitamin-C-reiche Beilagen (z. B. Obst oder Gemüse wie Paprika, Brokkoli) oder Fermentation & Keimung. Hierfür schlagen wir eine Änderung der angebotenen Speisen vor und verweisen nochmals auf den Fokus von vollwertigen, pflanzlichen Gerichten.
Gesunde Gericht-Alternativen findet man zum Beispiel hier: https://lebensmittel-fortschritt.de/track/storage/grossverpflegung_vegan_digitalversion.pdf
4. Tierwohl und Nachhaltigkeit
Aus dem BMLEH-Ernährungsreport 2025 (*1) geht hervor, dass besonders in der Gruppe der 14-29 Jährigen Tierwohl ein sehr wichtiger Aspekt der Ernährung ist (mehr als 79% nennen diesen Grund). Auf diese Wünsche könnte man auch in der Speiseplanerstellung eingehen und mehr vollwertige vegane Optionen anbieten. Viele pflanzliche Grundnahrungsmittel mit hohem Proteinanteil, wie Soja oder Linsen, gibt es inzwischen aus Mitteleuropa und werden immer regionaler. Da die Produktion tierischer Lebensmittel viele Ressourcen verbraucht, setzen wir uns für eine pflanzenbasierte Ernährung ein. Das entlastet die Umwelt und erhält die Artenvielfalt für unsere Kinder.
5. Eine vegane Ernährung ist inklusiv und vielseitig
Ein weiterer Vorteil einer pflanzlichen Ausrichtung des Mittagessens ist ihre Inklusivität: Viele Religionen haben Speisevorschriften, die bestimmte tierische Produkte ausschließen. Eine vegane Basisverpflegung macht es leichter, diese zu respektieren, ohne separate Menüs für verschiedene Gruppen anbieten zu müssen. Auch für Kinder mit häufigen Allergien (z. B. gegen Milchprodukte oder Ei) kann ein veganer Grundspeiseplan einfacher und sicherer sein. Insgesamt kann ein pflanzlicher Speiseplan als „gemeinsame Grundlinie“ dazu beitragen, Ausgrenzung und Sonderregelungen zu reduzieren und so echte Teilhabe aller Kinder zu ermöglichen. Köch:innen können durch passende Fortbildungen, falls nicht schon vorhanden, die Zubereitung entsprechender pflanzlicher Gerichte garantieren. Weiterhin sind Gerichte auf pflanzlicher Basis bei hoher Qualität günstiger als solche Gerichte auf Basis von tierischen Produkten.
6. Aufklärung über Ernährung
Zusätzlich wäre es sinnvoll, die Kinder frühzeitig über eine gesunde und ausgewogene Ernährung, in allen Aspekten, aufzuklären. Genauso wie die Auswirkungen unserer Ernährung auf unsere Umwelt. Es ist nicht alleine die Aufgabe der Schulen, den Proteinbedarf der Kinder und Jugendlichen zu decken. Schulen haben eine Vorbildfunktion und können als Inspiration für gutes, gesundes und pflanzenbasiertes Essen, auch Zuhause, dienen.
(*1) BMLEH-Ernährungsreport 2025 S.14